H5P hat sich in den letzten Jahren als verlässliches Werkzeug im digitalen Unterricht etabliert – zu Recht. Interaktive Quizze, Lückentexte oder Zuordnungsaufgaben lassen sich damit unkompliziert erstellen und in Lernplattformen wie Moodle einbinden. Dennoch spricht vieles dafür, dass H5P langfristig stark an Bedeutung verlieren wird – durch das sogenannte Vibe Coding, also die Möglichkeit, einer KI in natürlicher Sprache zu beschreiben, welche interaktive Anwendung man benötigt, und innerhalb von Sekunden eine fertige Web-App zu erhalten.

Warum das für H5P zum Problem wird

Die Stärke von H5P war immer die niedrige Einstiegshürde: Ohne Programmierkenntnisse ließen sich ansprechende interaktive Inhalte erstellen. Genau diese Einstiegshürde senkt Vibe Coding aber noch weiter – bei gleichzeitig viel größerer Gestaltungsfreiheit. Wer heute eine interaktive Bilanzanalyse, ein Planspiel zur Preiskalkulation oder eine Buchungssatz-Simulation benötigt, ist nicht mehr auf die vorhandenen H5P-Schablonen angewiesen, sondern beschreibt einfach, was gebraucht wird.

Das häufig genannte Gegenargument – H5P sei durch seine LMS-Integration und Standards wie xAPI unverzichtbar – überzeugt nur bedingt. Die meisten Lehrkräfte nutzen diese Auswertungsfunktionen in der Praxis kaum, und die technischen Hürden für KI-generierte Apps werden bei der aktuellen Entwicklungsgeschwindigkeit rasch kleiner.

Was das für Lehrkräfte bedeutet

Das ist keine Abrechnung mit H5P – es hat gute Dienste geleistet und tut es für viele noch immer. Aber die Richtung ist absehbar: Die Fähigkeit, interaktive Lerninhalte per Prompt zu erstellen, wird die klassischen Autorenwerkzeuge zunehmend ablösen. Für Lehrkräfte, die digitale Inhalte erstellen wollen, lohnt es sich daher, schon jetzt einen Blick auf KI-gestützte Erstellungswerkzeuge zu werfen – nicht um des Trends willen, sondern weil sie ermöglichen, didaktische Ideen ohne Kompromisse umzusetzen.