Befreiung von den PowerPoints!
Wie viele Stunden hat die Menschheit mit dem Erstellen von Präsentationen verbracht? Millionen von Minuten des Klickens, Suchens und Nachjustierens – die Grafik noch zwei Pixel nach rechts, der Übergang zwischen Folie drei und vier noch einmal überdenken, der Hintergrund in einem anderen Blauton getestet. Was dabei oft auf der Strecke bleibt: der eigentliche Inhalt.
Auch in der Schule ist dieses Muster bekannt. Sowohl bei Schülerpräsentationen als auch bei Unterrichtsmaterialien von Lehrkräften steht das Layout nicht selten vor dem Gedanken. Der Aufwand für die Gestaltung übersteigt dabei häufig den pädagogischen Mehrwert – ein Missverhältnis, das sich mit einem schlichten Begriff beschreiben lässt: Layout before content.
Hier zeichnet sich ein grundlegender Wandel ab. Tools wie Gamma zeigten früh, wohin die Reise gehen könnte: Präsentationen, die auf Basis einer Texteingabe vollständig generiert werden. Der Ansatz war vielversprechend, überzeugte in der Praxis jedoch noch nicht vollständig – vor allem deshalb, weil die Ergebnisse losgelöst vom eigenen Kontext wirkten. Was fehlte, war ein Bezug zur eigenen Lebenswelt: zu den eigenen Materialien, der eigenen Sprache, dem eigenen Unterricht.
Genau hier setzen sogenannte Skills an – strukturierte Arbeitsanweisungen für KI-Agenten, die das Modell in einen konkreten Kontext einbetten. Was lange ein Schlagwort ohne greifbaren Inhalt war, wird dadurch zur echten Arbeitshilfe: Agenten, die nicht generisch ins Blaue hinein produzieren, sondern auf Basis der eigenen Unterlagen, Formulierungen und didaktischen Entscheidungen arbeiten. Die Ergebnisse fühlen sich entsprechend anders an – verankert, passgenau und professionell.
Dabei zeigt sich derzeit, dass Software wie Claude Code (Anthropic) oder Codex (OpenAI) zum Alleskönner in der Branche werden. Während KI bislang meist mit einem Chat (ChatGPT) gleichgesetzt wurde, entwickeln sich die oben genannten Produkte zur eierlegenden Wollmilchsau: Dateien aller Art erstellen, Software entwickeln, Verzeichnisse verwalten, uvm. Designvorgaben wie z. B. PPTs können einmal zentral definiert werden und die KI hält sich sodann an diese Richtlinien.
Dass durch die Verwendung von “generative AI” alles mit einem einzigen Versuch perfekt wird, kann selbstverständlich nicht die Erwartungshaltung sein. Vielmehr nimmt Claude Code & Co. dem Nutzer nervtötende Arbeiten ab und schafft zeitlich Freiräume, sich mehr mit dem eigentlichen Inhalt zu beschäftigen. Proprietäre Plugins wie „Claude für PowerPoint” und die entsprechenden Pendants zur Office-Reihe sind der beste Beweis, dass händisches Editieren von Folien bald weitgehend passé sein dürfte.